Esther Tresch Hagenbuch & Daniela Stierli-Stalder
Die Künstlerinnen zu ihrem Werk:
Wir fotografieren Frauen in Muri an verschiedensten Orten, lassen uns von ihnen weiter inspirieren und beginnen, sie mittels diversen Techniken auf den Blechdeckeln aufleben zu lassen. Mit einfachen, dicken Linien folgen wir ihren Umrissen. Mit Nadeln kratzen wir an der Oberfläche und holen die bis anhin verborgene Venus in ihrem Kontext hervor. Dann wechseln wir wieder ins digitale Zeitalter und versuchen uns per Touchscreen in moderner Höhlenmalerei. In Muris Telefonbüchern, auf Portalen der Gemeinde und auf dem Friedhof stossen wir auf viele Frauennamen, welche wir ebenfalls auf Muris Mauer sichtbar werden lassen.
Das Projekt fasziniert uns enorm. Schon als wir die Blechdosen sammelten, sinnierten wir immer wieder, wohin sie uns führen werden. Hergestellt wurden diese Yugioh-Behälter, um Karten mit überirdischen Heldenfiguren zu vermarkten. Nun sind sie leer. Oder eben nicht? Gedanklich haben wir sie immer wieder «gefüllt» mit Ideen, diese weitergesponnen und wieder ruhen lassen.
Dann erreichte uns der Ruf der Venus aus Muri. Plötzlich schien sich relativ schnell alles zu fügen. Die Kisten erinnern uns sehr an Muris Wappen. Muri – das «die Mauer» in ihrem Namen und mit dem Kloster doppelt in sich trägt, führt uns rasch und klar zu unserem Werk.
Die bisher «ungesehenen» Frauen hinter der Mauer bekommen nun in goldenen Kisten ihren Auftritt. Durch das Licht, welches sich darin reflektiert, erscheinen sie in zusätzlichem Glanz.
Während des Arbeitens werden die Figuren und somit auch die Venus als Sinnbild der Weiblichkeit immer lebendiger für uns. Uns treiben Fragen um:
Welche Frauenfiguren begegnen uns im Alltag, welche faszinieren uns – welche sind unscheinbarer? Was ist mein Verständnis von Schönheit? Wo fühle ich mich persönlich berührt. Wo zugehörig ? Wo sind Schnittpunkte zwischen der Venus und dem Feminismus?
Die Verkörperung all dieser Fragen und noch vielen immer wieder neuen, lässt uns tief eintauchen in diese Thematik, und die Experimentierlust treibt uns voran. Uns gefällt, wie wir mit anderen Augen unterwegs sind. Fokussiert und gleichzeitig mit Weitblick. Als Frauen dem allem diesen grossen Raum zu geben, fühlt sich gut an.
Esther Tresch Hagenbuch, geb. 1960, lebt in Rottenschwil.
Daniela Stierli Stalder, geb. 1974, lebt in Muri.
Weitere Informationen siehe www.atelier-eth.ch

